Weihnachten in Dresden – Volker Schunck

„Ihnen ein schönes Wochenende“, „ja danke, Ihnen auch, und einen schönen 1. Advent!“ … „Ach ja…“ Die Verkäuferin an der Kasse musste über meine Antwort lachen.

Dieses kurze Gespräch ereignete sich heute an der Supermarktkasse. Wie einem das Unbewusste doch manchmal einen Streich spielt. Ich weiß nicht, wie ihr zu Weihnachten steht. Trotz meiner zögerlichen Antwort, trotz der vielen kritischen Beiträge, die ich in den letzten Jahren zur Kommerzialisierung von Weihnachten geschrieben habe, freue ich mich dieses Jahr, endlich wieder auf den Weihnachtsmarkt gehen zu können.

Hinter mir seht ihr ja auch den Weihnachtsbaum, den ich mir im letzten Jahr ganz spontan zu Weihnachten gekauft habe. Ich fange langsam wieder an, Geschmack an Weihnachten zu finden. Und hier in Dresden wird Weihnachten ganz groß geschrieben. Endlich nach 2 Jahren Corona-Abstinenz findet wieder der Striezelmarkt und die vielen anderen Weihnachtsmärkte am Neumarkt und am Goldenen Reiter statt.

Glücklicherweise haben die sich nicht durchsetzen können, die eine Reduzierung der Weihnachtsbeleuchtung gefordert hatten, um Strom zu sparen. Ich denke an die letzten Jahre zurück: Für mich gehören natürlich ein oder zwei Tassen Glühwein dazu, ein Pilzgericht aus der großen Schwenkpfanne, oder Grünkohl mit Pinkel. Gerne trinke ich auch diesen Puddingpunsch, dessen Namen ich immer vergesse, was vielleicht damit zu tun hat, dass ich vorher schon Glühwein getrunken habe. Da ich das ganze Jahr über keinen Alkohol trinke, spüre ich ein oder zwei Tassen Glühwein schon ganz schön. Und zum Dessert einen Käsecrepe mit Kräutern bestreut und eine Waffel mit Kirschen und Sahne. Herrlich!

Ich bin gespannt, wie hoch die Preise dieses Jahr sind. Ich habe schon gehört, dass der Glühwein 1,– € teurer geworden ist, bei den anderen Sachen wird es sich ähnlich verhalten. Ich rechne mit Ausgaben zwischen 40,– € und 50,– €. Was ich bisher noch nie auf den Weihnachtsmärkten gekauft habe, war Stollen. Der ist wirklich überteuert, auch wenn da manche Touristen mächtig zugreifen, um zu Hause sagen zu können: „Das ist original Dresdner Stollen vom Striezelmarkt.“ Dresdner Stollen gibt es auch in normalen Dresdner Bäckereien und Supermärkten. Der Dresdner Stollen von Dr. Quendt ist gerade Testsieger bei „Stiftung Warentest“ geworden.

Und was natürlich besonders schön ist, sind die ganzen Gerüche auf dem Weihnachtsmarkt, die sich mit jedem Schritt verändern: von gebrannten Mandeln, Thüringer Würstchen und allem anderen, woran ich mich im moment nicht mehr erinnern kann, weil es schon so lange her ist. Ja, der Geruch von Tannengrün gehört natürlich auch dazu. Und das Geschiebe und Gedränge, Eltern die ihre Kinder hinter sich herziehen, und große Kinderaugen und ausgestreckte Fingerchen, die erstaunt auf alles zeigen was sich bewegt. Oft bin ich an den Stehtischen mit Menschen aus Bayern oder Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen und Canada ins Gespräch gekommen. Jetzt wo ich mir das alles wieder ins Gedächnis rufe, fällt mir auf, wie sehr ich Weihnachten vermisst habe.

Weihnachten ist wie eine Insel in den tobenden Fluten der Weltereignisse, ein kurzer Perspektivenwechsel und ein Durchatmen, inmitten der Angst vor einem bitter-kalten Winter und vor hohen Gasrechnungen. Das Leben ist lebenswert und ein Grund zum Feiern.

Weihnachten feiern wir einen Kindergeburtstag. Mit allem was dazugehört: Glühwein – ob mit oder ohne Alkohol und Gebäck, Stollen und Schokolade. Jesus, von dem erzählt wird, wie er als junger Mann auf einer Hochzeit Wasser in Wein verwandelt hat, wusste wie man richtig feiert. Aber noch sind wir nicht so weit: Heute, also Weihnachten 2022, wie jedes Jahr, feiern wir seinen Geburtstag. Damit wir nicht vergessen: Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, aus Angst und Sorgen, nein, heute feiern wir den, der uns einen neuen Horizont eröffnet:

Gott ist lebendige Realität und keine verstaubte Tradition. Er ist unser Vater und er liebt uns. Darum kehrt um und öffnet euer Herz für eure Mitmenschen und für Gott. Weihnachten ist keine Erfindung um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, Weihnachten liegt nicht in den Händen der Geschäftemacher, sondern geschieht heute dort, wo ein kleines Kind, in die dunkle Nacht eines Herzens geboren wird, um es zu verwandeln. (Volker Schunck)

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